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PHARMAMARKT 2020: WEITER AUFWIND FÜR DIE GLOBALE PRODUKTION

Pharmaproduzenten können sich laut aktuellen Studien auf eine wachsende Nachfrage in den kommenden Jahren einstellen. Wachstum bedeutet einerseits, dass mehr Menschen einen Zugang zur medizinischen Versorgung erhalten. Andererseits gewinnen Spezialmedikationen gegen seltene Krankheiten an Bedeutung. Damit steigen weltweit die Anforderungen an Flexibilität und Qualität in der Produktion.

Die Maschinentechnologie muss für jedes Produkt und jede Anforderung die passenden Lösungen bieten - zunehmend nach global einheitlichen Standards. Im Interview gibt Rainer Krugmann, Global Director Sales von Fette Compacting, einen Ausblick darauf, welche Trends Fette Compacting in der Solidaproduktion erwartet.

Herr Krugmann, wie wird sich der globale Pharmamarkt bis 2020 entwickeln?

Die Prognosen sprechen für eine positive Entwicklung in den nächsten Jahren. Beispielsweise rechnet das IMS Institute for Healthcare Informatics damit, dass der weltweite Medizinverbrauch bis 2020 auf 4,5 Billionen Standard Units (Standardeinheiten für Volumen pharmazeutischer Formulierungen) steigen wird. Das entspricht einem Wachstum von 24 Prozent im Vergleich zu 2015. Der größte Motor ist die Nachfrage nach Generika in den sogenannten Pharmerging Markets. Sie wird angetrieben durch den verbesserten Zugang breiter Bevölkerungsschichten zur medizinischen Versorgung. Während im Jahr 2005 nur ein Drittel der Weltbevölkerung Zugang zu Pharmazeutika hatte, wird es 2020 voraussichtlich die Hälfte alle Menschen sein. Die wichtigsten Impulse dafür setzen neben den bekannten Wachstumsmärkten China, Indien und Brasilien zukünftig auch Märkte wie Indonesien, der Mittlere und Nahe Osten sowie Nordafrika.

Was heißt das für den internationalen Wettbewerb?

Auf internationaler Ebene stehen die Pharmaunternehmen weiterhin unter einem hohen Kostendruck. Bei Generikaherstellern wird der globale Wettbewerb den Druck sogar noch erhöhen. Gleichzeitig steigen aufgrund der sich international  angleichenden Regularien die Qualitätsanforderungen an die Generikaproduktion. Bei den forschenden Pharmaunternehmen gehen die Umsatzverluste durch auslaufende Patente zwar zurück, gleichzeitig wächst aber der Einfluss von Gesundheitssystemen und Krankenkassen auf die Preisgestaltung. Auch hier bleibt also der wirtschaftliche Druck hoch.

In welchen Regionen ist mit den größten Investitionen in neue Medikamente zu rechnen?

Das Gros der Ausgaben für innovative Arzneimittel ist in den hoch industrialisierten Regionen zu erwarten, vor allem in den USA, Europa und Japan. In diesen Märkten stehen Therapien für nicht ansteckende Krankheiten, etwa kardiovaskuläre und Krebserkrankungen, im Mittelpunkt. Außerdem führt der zunehmende Verbrauch teurer Spezialmedizin (Speciality Medicine) gegen seltene, chronische oder genetische Krankheiten zu einem Kostensteigerungseffekt.

Was macht die forschenden Pharmaunternehmen dabei zuversichtlich?

Sie verfügen dank der gestiegenen Effizienz bei der Entwicklung neuer Medikamente über robuste Produktpipelines. Neue Wirkstoffe ermöglichen sogar die Therapie von bisher nicht heilbaren Krankheiten, wie beispielsweise Hepatitis C. Ein Großteil der neuen Wirkstoffe, die derzeit vor der Zulassung stehen, ist hochpotent. In den reifen Märkten wächst das Marktsegment für hochpotente Wirkstoffe (High Potency Active Pharmaceutical Ingredients, HPAPIs) voraussichtlich um bis zu 14 Prozent - im Durchschnitt doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt. Damit werden HPAPIs zum Wachstumstreiber, der den reifen Märkten wieder einen höheren Anteil am weltweiten Gesamtwachstum in Aussicht stellt. In der Pharmaproduktion spielt daher das Thema Containment eine entscheidende Rolle.

Welche Bedeutung hat Containment für die Pharmerging Markets?

Auch hier nimmt der Bedarf an hochpotenten Wirkstoffen überproportional zu, hauptsächlich getrieben durch onkologische Arzneimittel. Wir rechnen letztlich in allen Regionen mit einem wachsenden Bedarf an Containment-Ausstattungen, die eine Staubfreisetzung zuverlässig verhindern. Dafür bietet Fette Compacting passende Lösungen in allen Toxizitätsklassen.

Worauf müssen sich Produzenten technisch noch einstellen?

Viele der neuen Wirkstoffe zielen auf seltene Krankheiten ab, weshalb kleinere Anlagen mit kurzen Umrüstzeiten immer wichtiger werden. In diesem Zusammenhang gehen wir mittelfristig von einem Durchbruch der kontinuierlichen Produktion im Pharmasektor aus. Kontinuierliche Anlagen sind deutlich produktiver, insbesondere bei der Herstellung kleiner Mengen teurer Arzneimittel. Wichtig ist darüber hinaus, die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen, um dem Kostendruck standzuhalten. Vor diesem Hintergrund wächst auch die Bedeutung des Maschinenherstellers als Berater und Servicepartner. Das gilt umso mehr, je weiter Pharmaunternehmen eigene Kompetenzen in diesen Bereichen aus Kostengründen reduzieren.

Was kommt regulatorisch auf Pharmaproduzenten zu?

Die Anforderungen durch die Zulassungsbehörden FDA und EMA beeinflussen weltweit immer stärker die Produktionsstandards. Das geschieht zum einen direkt durch die Überwachung aller Hersteller, die in die USA oder in die Europäische Gemeinschaft exportieren, zum anderen indirekt als Vorlage für nationale Regulierungen. Wir sehen diese Bestrebungen positiv, da sie weltweit einheitliche Qualitätsstandards bei Produktion und Automatisierung fördern. Mittelfristig erwarten wir einen nivellierenden Kosteneffekt, der die Preisunterschiede zwischen Ländern mit niedrigen Produktionskosten und Hochlohnländern verringert. Dadurch wird die Nachfrage nach hoch produktiven und sicheren Produktionsanlagen auch in den Pharmerging Markets wachsen.

Wie unterstützen Sie Ihre Kunden bei der Standardisierung?

Tatsächlich ist das Thema Kostenreduzierung durch Standardisierung für fast alle unsere großen Kunden sehr interessant. Wir beraten sie dahingehend, wie sie mit einheitlichen Maschinen und Prozessen ihre Komplexitätskosten reduzieren können. Heute ist es oft noch so, dass die Engineeringteams eines Unternehmens je nach Standort und Produkt ihre eigenen Lastenhefte (User Requirement Specifications) erstellen. Sie erfinden das Rad immer wieder neu. Mit einer einheitlichen Maschinentechnologie entfallen dagegen Wochen bis Monate an Projektmanagement- und Qualifizierungsaufwand. Gleichzeitig steigt die Flexibilität im internationalen Produktionsnetzwerk. Auch bei bereits effizienter Produktion erschließt sich hier ein enormes Einsparpotenzial.

Zum Abschluss: Welchen Stellenwert haben Solida im Pharmamarkt 2020?

Neue biopharmazeutische Wirkstoffe werden zwar oft flüssig verabreicht, dennoch sehen wir Tabletten und Kapseln weiterhin unangefochten an der Spitze aller Darreichungsformen. Das liegt vor allem an den Vorteilen ihrer einfachen Handhabung, der genauen Dosierbarkeit von Wirkstoffen und der günstigen Herstellung. Entwickler werden weiter nach Wegen suchen, neue Medikamente als Tabletten oder in Kapselform herzustellen. Außerdem sind neben den pharmazeutischen Solida auch Nahrungsergänzungsmittel und Naturprodukte in fester Form ein spannender Wachstumsmarkt.

Fette Compacting GmbH
Global Director Sales
Rainer Krugmann
Grabauer Str. 24
21493 Schwarzenbek
Deutschland
Tel.: +49 4151 12-276
rkrugmann@fette-compacting.com

Rainer Krugmann, Global Director Sales, Fette Compacting

Rainer Krugmann, Global Director Sales, Fette Compacting

Prognose zur weltweiten Verteilung der Arzneimittelausgaben im Jahr 2020

Prognose zur weltweiten Verteilung der Arzneimittelausgaben im Jahr 2020 (Quelle: IMS Health, Marktprognose, September 2015)

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